Das Dschinn-Desaster – Eine Story von Christian Endres

Läden, Zelte, Stände und Pferche bilden den Basar, dazwischen ein dichtes Gewimmel aus Mensch und Tier. Geräusche und Gerüche schwirren nur so durch die Hitze. Niemand entkommt dem Sturm aus Sinneseindrücken, unter keinem Kopftuch, hinter keinem Schal, keinem Schleier. Fingerfertige Beutelschneider mustern die Menge mit Falkenaugen, während speerbewaffnete Soldaten, das Wappen des Sultans auf dem Harnisch, den Blick wie Hütehunde schweifen lassen.

Ich selbst bewege mich geschmeidig durchs Gedränge, weiche einem schwer bepackten Kamel aus, erwidere das Lächeln einer Gewürzhändlerin, schlüpfe durch die Warteschlange vor einem Grill, auf dem Skorpion neben Ziege brutzelt, und schiebe meinen Umhang etwas beiseite, sodass das Heft meines geschwungenen Dolches eine Taschendiebin abschreckt.

So nähere ich mich einem Ladengeschäft, dessen Besitzer Hamid Artefakte und Kuriositäten feilbietet, sprich: Er verkauft Dinge, die ihm Fälscher, Diebe und Grabräuber bringen. Nichtsdestotrotz betrete ich den Verkaufsraum im beschwingten Schritt eines ahnungslosen, neugierigen Kunden. Hamid zeigt ein schiefes Lächeln falscher Freundlichkeit, sein Wachmann präsentiert mir wiederum seine Muskeln sowie den Krummsäbel an seiner Seite.

Möglichst gelassen schlendere ich an kinnhohen Regalen voller nachgemachter oder gestohlener Artefakte entlang, inspiziere den runenverzierten Totenschädel eines Affen, einen Skarabäus aus Metall und einen silbernen Kerzenhalter.

Schließlich erspähe ich, weswegen ich hier bin: Eine birnenförmige Flasche aus dickem lilafarbenem Glas, von einem Messingverschluss gekrönt und einer dicken Kordel umwickelt, Schlieren wie Schatten oder Rauch im Inneren.

Ich spüre, dass die Flasche echt ist.
Trotzdem kann ich mich nicht sofort dazu überwinden, die Finger an d…