Rezension: „Der Himmel wird zur See“ von Sven Haupt

»Der Himmel wird zur See« von Sven Haupt

Eridanus Verlag, 2025, 272 Seiten
978-3-946348-47-4 / 16 Euro

Die Erde ist in der Geschichte von Sven Haupt seit 100 Jahren menschenleer. Seitdem die erste Künstliche Intelligenz sich ihrer selbst bewusst wurde, herrscht Krieg zwischen Menschen und Maschinen. Die Menschheit lebt verstreut im All auf verschiedenen Kolonien und leidet an einer Nervenkrankheit, die zunehmend zu motorischen und sensorischen Ausfällen und auch zu Sterilität führt, so dass die Menschheit in wenigen Jahren auszusterben droht.

Hannah Riley ist eine zynische Kämpferin, ihr einziger Freund am Beginn der Geschichte ein Roboter namens Andy. Um nicht als Gebärmaschine missbraucht zu werden, hat sie sich den Uterus entfernen lassen. Sie erhält den Auftrag, auf die Erde zu reisen und Wissen zu erlangen, um die Krankheit zu stoppen. Auf der Erde trifft sie auf Verbündete und Feinde, allerdings nicht in Menschengestalt, sondern in Form von Robotern, Maschinen und Programmen.

Trotz der düsteren Ausgangslage ist der Roman witzig geschrieben und sorgt für gute Unterhaltung. Beim Lesen wachsen einem die Maschinen ans Herz, wie es sonst menschliche Protagonisten tun. Und gelegentlich wird die Zuneigung erwidert: »Geländewagen sind sehr anhänglich.« erklärte Mica. »Sie wollen immer gleich Freundinnen fürs Leben sein.« Besonders niedlich ist auch eine Maschine namens Nono, die tatsächlich nur »nono« sagt und damit aber unendlich viel ausdrücken kann.

Roboter bzw. Programme sind in dieser dystopischen Welt manchmal menschlicher dargestellt als die Menschen selbst. Schadprogramme und KIs werden dabei gerne als Tiere beschrieben und erscheinen als Raben oder Wale, wie man es aus Fabelgeschichten kennt. Allerdings sind hier die Raben die Guten und die Wale, die als riesige Luftschiffe über den Himmel ziehen, die Bösen.

Bei aller Tragik lebt das Buch insbesondere von den amüsanten Dialogen und den wunderbaren Bildern, die der Autor im Kopf entstehen lässt. Jedem Kapitel gehen Stichpunkten voran, die den Inhalt kurz zusammenfassen und wirklich neugierig auf das Folgende machen.

»Dort wo der Himmel zur See wird, trifft unser Leben auf unsere Träume«. Ob Hannahs Traum in Erfüllung geht, solltet ihr unbedingt selber nachlesen.

Rezension von Svenja Grove